Café Pause

Abwarten & Tee Trinken

Hudson’s Cakes, Kreuzberg

Ein Kommentar

Ich sitze in Hamburg und bin traurig, weil ich den Newkoelln Flohmarkt verpasse. Dort verkaufen heute Jim und Katie das letzte Teegeschirr aus dem Hudson’s. Sehr gerne hätte ich mir dort eine Kanne mitgenommen, einfach zur Erinnerung. Im Café hatten Sie immer so schöne, große Teekannen, ganz schwer, aus glasiertem Steingut. Solche, die man eher daheim auf den Tisch stellt und sonst in keinem Café findet. Woanders gibt’s diese kleinen, weißen IKEA Kännchen, wo der Finger kaum durch den Henkel passt. Im Hudson’s gab’s Teepötte in denen man Edward Snowden hätte verstecken können. Was soll ich sagen: I like big pots and I cannot lie.

Am 28. Juli 2013 hat das Hudson’s seine Türen geschlossen. Längst wollte ich eine passionierte Empfehlung schreiben, aber jetzt wird’s leider eine Rückschau. Eine Rückschau auf ein Café, das mir meinen Umzug nach Berlin über alle Maßen versüßt hat.

Hudson's Tee

Das Hudson’s war eins dieser „Gibt’s Nur Einmal“ Etablissements. Ein englischer Cake & Tea Shop, der sich über die Jahre zum Pub und Breakfast Club ausgewachsen hat. Angefangen hat’s in 2011, als Jim und Katie Hudson beschliessen, einen kleinen Catering Service zu gründen, der sich auf Kuchen spezialisiert. Und wer jetzt mäkelt, dass aus der englischen Küche nichts Gutes kommen kann, der kriegt eine erhobene Augenbraue. Die Engländer können Kuchen nämlich richtig gut und Katies Erfolg beweist das: statt Schwarzwälder Kirsch und Sachertorte bäckt sie Carrot Cakes, Scones, Raspberry Delights, Victoria Sponge Cakes und Gooseberry Cheesecakes. Weil man in Deutschland nur schwer an die richtige Art von Starkbier ran kommt, verwandelt sie den Klassiker des Chocolate Guinness Cake in einen Chocolate Porter Cake und der wird zur Legende.

Mit ihrem Kuchenservice sind Jim und Katie schließlich so erfolgreich, dass Sie beschließen, Räume zu mieten und Ihr Gebackenes mit Tee und Kaffee in einem Café anzubieten. An der Ecke Boppstraße und Schönleinstraße entsteht in Kreuzberg das Hudson’s. Die Räume richtet Jim, der in einem früheren Leben als Bauingenieur gearbeitet hat, selbst ein. Ich weiß noch, als ich das erste Mal ins Hudson’s gegangen bin, hat es zwischen mir und dem Café gleich gefunkt. Von den massiven Holztischen über die wild zusammen gewürfelten Stühle bis zu den Bowlerhut Lampen – da hat einfach alles gepasst. Dann der erste Biss in die frisch gebackenen Scones – mit clotted cream und Erdbeerkonfitüre natürlich – und es war um mich geschehen.

Hudson's Scones

Als ich das Hudson’s kennenlernte, gab es dort bereits eine Frühstückskarte und vom Fully Cooked English Breakfast über Porridge und Marmite Soldiers war alles zu haben. Das Essen wurde immer frisch zu bereitet, zum Tee gab’s Leitungswasser in Flaschen und wer wollte, konnte sich ein vegetarisches Frühstück mit großartigem Avokadosalat bestellen. Mit der Zeit wurde die Speisekarte größer, es kam ein Lunch dazu und schließlich gab’s Abends Backkartoffeln und eiskaltes Cider aus der Biobrauerei.

Es ist schwer, die Atmosphäre des Hudson’s in Worte zu fassen. Wir waren jedenfalls bald so häufig da, dass man uns in der Küche an unserer Bestellung erkannt hat. So ging’s zumindest einer Freundin, die sich in Katies Zwiebelchutney verliebte und es immer mitbestellte – sehr zur Freude von uns allen, muss ich anmerken. Als dann Jim einen Filmmontag ins Leben rief waren wir noch öfter da, haben in gemütlicher Wohnzimmerstimmung die Augen über die alten Bond Filme gerollt und mit David Bowie die Lieder aus Labyrinth gesungen. Mittwochs kam das Pub Quiz dazu, das wir zwar nie gewonnen, bei dem wir aber immer mit kreativen Mannschaftsnamen geglänzt haben. In diesem Frühjahr habe ich im Hudson’s meinen Geburtstag gefeiert und das Ehepaar Hudson hat ein Buffet aufgetischt, von dem ich heute noch träume. Wenn ich euch sage, dass sie mir einen Chocolate Porter Cake mit doppeltem Frosting gebacken haben, könnt ihr euch meine Rührung vorstellen?

Ich bezweifle, dass ich mich so bald in einem anderem Café so wohl fühlen werde. Es sind Kleinigkeiten: Wenn dir jemand heißes Wasser auf deinen Blättertee nachschenkt, ohne, dass du groß fragen musst. Wenn du schon beim Tritt über die Schwelle den Zimt auf dem frischen Apfelkuchen riechst und an den Wänden Plakate von Alice im Wunderland hängen. Manche Orte heißen dich willkommen und bleiben im Kopf haften, lange nachdem sie nicht mehr da sind.

Am 28. Juni verabschiedeten sich Jim und Katie von ihren Gästen mit einem großen Gelage. Es wurde alles aufgetischt, was die Küche hergab: Sandwiches jeder Fasson, selbstgebackenes Shortbread, Melonenscheiben und Mini Pies. Wegen dem warmen Wetter wurden alle Tische nach draußen getragen und wir saßen bis spät unter der Linde und haben die Pimms Krüge kreisen lassen. Jim und Katie waren mittendrin und haben uns noch einmal daran erinnert, warum es uns so oft ins Hudson’s gezogen hat: Weil man dort Freunde vor und hinter dem Tresen traf. Ich wünsche den Hudsons jedenfalls das allerbeste und hoffe, dass es sie doch irgendwann wieder nach Berlin verschlägt.

Zurück in Hamburg zupfe ich melancholisch an meinem Franzbrötchen als mein Telefon klingelt. Eine Freundin steht auf dem Flohmarkt in Neukölln und es gibt noch eine Teekanne am Stand der Hudsons. Ob sie die für mich mitbringen soll?

Unbedingt!

Thanks to Katie, Jim and everyone else at Hudson’s for a wonderful time! Take care you all!

Die Bewertung: ★★★

Das Highlight: Chocolate Porter Cake mit Frischkäse Frosting

Das Manko: Hat leider geschlossen

Die Musik: David Bowie, Magic Dance

Das Buch: Charles Dickens, The Life and Adventures of Nicholas Nickleby

Das Zitat: The pain of parting is nothing to the joy of meeting again.

Hudson'sHudson’s Cakes

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Ein Kommentar zu “Hudson’s Cakes, Kreuzberg

  1. Ich verstehe deinen Wehmut,ich hatte auch einmal das Vergnügen da zu frühstücken und war begeistert ,ja es wird schwierig. sein ein neues Plätzchen zu finden aber es gibt ihn den Ort an dem du dich. wohl fühlen wirst.

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